Anwälte zahlen für Mandate über anwalt.de. Zahnärzte für Neupatienten über Jameda. Makler für Eigentümer-Kontakte über ImmoScout. Umzugsunternehmen für jede Anfrage über Vermittlungsportale. Das Muster ist überall gleich: Ein Portal verkauft Ihnen einen Kontakt, den eigentlich Sie hätten finden können – wenn Sie selbst sichtbar gewesen wären.
Das ist keine Kritik an den Portalen. Sie lösen ein echtes Problem für Suchende: Struktur, Vergleichbarkeit, Bewertungen an einem Ort. Aber sie lösen dieses Problem auf Ihre Kosten – und die Rechnung dahinter ist oft teurer, als sie auf den ersten Blick aussieht.
Wie das Portal-Geschäftsmodell wirklich funktioniert
Portale verdienen daran, dass eine einzelne Anfrage möglichst oft verkauft wird. Eine Umzugsanfrage geht oft an vier oder fünf Firmen gleichzeitig. Eine Eigentümer-Anfrage bei ImmoScout landet bei mehreren Maklern im selben Umkreis. Das Portal kassiert bei jedem einzelnen Kontakt – unabhängig davon, wer am Ende den Auftrag bekommt.
Für Sie bedeutet das: Sie zahlen nicht für einen Kunden, sondern für die Chance auf einen Kunden, den drei bis vier andere gerade auch verfolgen. Das drückt automatisch den Preis, weil am Ende meist das günstigste Angebot gewinnt – und Sie zahlen die Portal-Gebühr obendrauf, egal wie der Wettbewerb ausgeht.
Die versteckten Kosten hinter der Gebühr
Die eigentliche Gebühr ist meist nur der sichtbare Teil der Rechnung. Dazu kommen typischerweise:
- Zeit für aussichtslose Angebote. Wer mit vier Wettbewerbern um dieselbe Anfrage konkurriert, investiert Beratungszeit in Angebote, die zu drei Vierteln nicht zum Auftrag führen.
- Preisdruck durch Vergleichbarkeit. Portale sind auf Vergleich ausgelegt – das drückt strukturell die Marge, weil der niedrigste Preis oft den Ausschlag gibt.
- Laufzeitverträge. Viele Portale binden Sie über 12 Monate, unabhängig davon, wie viele echte Aufträge dabei herauskommen. Die Kündigung verpasst man leicht – und zahlt ein weiteres Jahr für Leads, die nicht mehr gebraucht werden.
- Abhängigkeit von fremden Regeln. Ranking-Logik, Preise und Sichtbarkeit auf dem Portal bestimmt das Portal – nicht Sie. Ändert sich der Algorithmus, ändert sich Ihre Auftragslage, ohne dass Sie etwas dafür können.
Eine ehrliche Beispielrechnung
Nehmen wir ein Umzugsunternehmen, das im Monat 15 Leads über ein Portal kauft, zu je 25 bis 40 Euro. Das sind allein an Gebühren 375 bis 600 Euro im Monat – bevor auch nur ein Auftrag abgeschlossen ist. Bei einer für Portal-Leads üblichen Abschlussquote von etwa 20 bis 30 % kostet jeder tatsächliche Auftrag damit rechnerisch 100 bis 200 Euro allein an Vermittlungsgebühr.
Eine Direktanfrage über ein gepflegtes Google-Profil kostet dagegen nichts pro Kontakt. Der Aufwand liegt vorher, im Aufbau von Sichtbarkeit und Bewertungen – danach sind die Anfragen kostenlos, so lange das Profil gepflegt bleibt. Bei Kanzleien, Praxen und Maklern sieht die Rechnung ähnlich aus, nur mit anderen Beträgen: Ein einzelnes Mandat oder ein einzelner Alleinauftrag ist oft vier- bis fünfstellig wert – schon eine einzige zusätzliche Direktanfrage im Monat rechtfertigt den Aufbau eigener Sichtbarkeit mehrfach.
Die Alternative: selbst gefunden werden
Der Ausweg ist nicht, Portale komplett zu ignorieren – für viele Branchen bleiben sie ein zusätzlicher Kanal. Der Punkt ist, nicht ausschließlich von ihnen abhängig zu sein. Ein vollständiges Google-Unternehmensprofil, aktuelle Bewertungen und eine Website, die klar sagt, was Sie anbieten und wo, holen einen Teil der Anfragen zurück, die sonst beim Portal landen würden – ohne Gebühr pro Kontakt und ohne Laufzeitvertrag.
Der Unterschied zeigt sich nicht nur beim Preis. Wer Sie über die eigene Sichtbarkeit findet, hat sich in der Regel schon für Sie entschieden – nicht für vier Anbieter gleichzeitig. Das verändert nicht nur die Kosten pro Auftrag, sondern auch die Qualität der Gespräche, die daraus entstehen.
Fazit
Vermittlungsportale lösen ein Problem, das eigene Sichtbarkeit oft günstiger und nachhaltiger löst: gefunden zu werden. Die Gebühr pro Lead ist dabei nur der sichtbare Teil der Rechnung – Preisdruck durch Vergleichbarkeit, Laufzeitverträge und Abhängigkeit von fremden Regeln gehören genauso dazu. Wer beides gegenrechnet, kommt bei den meisten Dienstleistern schnell zu demselben Ergebnis: Die eigene Sichtbarkeit aufzubauen zahlt sich aus, und zwar dauerhaft.